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04.10.2016

Philipp Freitag: Trotz Pech im großen Finale in die Top 3

Philipp Freitag reiste rechnerisch mit Titelchancen zum großen Finale des ADAC Moto3 Northern Europe Cups (NEC)

Philipp Freitag (19, Buchholz in der Nordheide, Team „F. Koch Rennsport & Hannes Allwardt“) reiste rechnerisch mit Titelchancen zum großen Finale des ADAC Moto3 Northern Europe Cups (NEC) im Rahmen der British Superbike Championship (BSB) im niederländischen Assen an. In einem Chaos-Rennen mit Neustart nach einsetzendem Regen konnte sich der Buchholzer zunächst im riesigen Starterfeld gemeinsam mit den offenen Moto3-Klassen von BSB und NEC gut behaupten und war auf Podium-Kurs. Doch in die Elektronik eingedrungene Feuchtigkeit brachte den Motor seiner Honda zum Stottern und ließ ihn dramatisch zurückfallen. Er schaffte es, die Maschine noch als Siebter der Moto3 Standard-Klasse ins Ziel zu bringen. Die ungünstige Platzierung im Gesamtfeld bestimmte den Startplatz für das zweite Rennen und zwang ihn zu einer sensationellen Aufholjagd, in der er sich schon auf Platz zwei in seiner Wertung vorgearbeitet hatte, als ihn ein sein wegrutschendes Vorderrad fast zu Fall brachte. Mit viel Können hielt er sich im Sattel und nahm nach einem spektakulären Ritt durchs Kiesbett das Rennen wieder auf, sodass er schließlich mit einem erneuten siebten Platz wertvolle
Meisterschaftspunkte für den dritten Gesamtrang in der Meisterschaft sichern konnte.


Das Finale des ADAC Moto3 Northern Europe Cup (NEC) wurde wie der Saisonauftakt im Rahmen der MCE Insurance British Superbike Championship ausgetragen. Schauplatz war der 4,5 km lange Grand Prix Kurs „TT Circuit Assen“ in den Niederlanden. Die beiden Rennen wurden gemeinsam mit der HEL Performance British Motostar Moto3 GP-Klasse ausgetragen, sodass insgesamt 47 Moto3 Piloten angereist waren, darunter 18 Moto3 Standard-Piloten mit einer standardmäßigen Honda NSF250R. Das Wochenende war von wechselhaftem, nasskaltem Wetter geprägt. Philipp Freitag zeigte bereits im Qualifying unter trockenen Bedingungen viel Einsatz und Risikobereitschaft. Fast hätte er dies aber mit einem High-Speed-Crash in der schnellen „Ramshoek“-Kurve bezahlt, als sein Vorderrad einklappte und er seine Maschine nur mit viel Geschick noch abfangen konnte. Die Belohnung war eine relativ gute Startposition im 46 Fahrer zählenden Feld: Gesamtplatz 13, Platz vier in der für ihn entscheidenden Moto3 Standard-Wertung.

Der Start zum ersten Rennen war für Philipp Freitags Verhältnisse nur mäßig, doch er konnte dennoch rasch Position zwei in seiner Wertung einnehmen. Gerade als er in der zweiten Runde begann, Jagd auf den Führenden, den niederländischen Lokalmatador Sander Kroeze, zu machen, wurde das Rennen wegen einsetzenden Regens abgebrochen. Alle Piloten fuhren zurück in die Boxengasse und die Teams rüsteten die Maschinen in Windeseile vom Trocken- auf Regen-Setup um. Mit einer auf neun Runden verkürzten Renndistanz startete das Feld erneut. Diesmal gelang dem Buchholzer der Start etwas besser und er nahm nach vier Runden unter schwierigen Bedingungen eine vielversprechende dritte Position ein: Vorne lagen Dirk Geiger (Kiefer Racing Team) und der Belgier Sasha De Vits, die zu diesem Zeitpunkt wie Philipp Freitag 2‘02“er Rundenzeiten fuhren. Von hinten drohte zunächst keine Gefahr, da der erste Verfolger, Toni Erhard (Kiefer Racing Team) zwei Sekunden langsamer fuhr. Dann setzten an Freitags Maschine plötzlich massive Probleme ein: Der Motor begann zu stottern und beim Anbremsen der Kurven drohte er komplett abzusterben. Obwohl die Maschine fast unfahrbar war, weil die Leistung entweder fehlte oder abrupt einsetzte, schaffte es der Buchholzer bis ins Ziel. Er überquerte die Ziellinie als 22. und war Siebter in der Standard-Wertung. Das Team begab sich mit viel Aufwand auf Fehlersuche. Teamchef Frank Koch (45) erklärte später: „Leider haben wir den ersten technischen Defekt in den zwei gemeinsamen Jahren mit Philipp verzeichnen müssen. Ein kleines Teil vom Data-Recording, das laut Hersteller eigentlich wasserdicht sein sollte, hat uns die ganze Maschine lahmgelegt und uns um einen guten dritten Platz im Regen gebracht.“

Der Defekt wirkte sich auch auf das zweite Rennen am Folgetag aus, da die Rundenzeiten des ersten Rennens den Startplatz im zweiten Rennen bestimmten: Philipp Freitag wurde auf Startplatz 23 zurückversetzt, was unter normalen Umständen eine Top-Platzierung nahezu unmöglich machte. Der Norddeutsche entschloss sich aber zu kämpfen, zumal er in Assen bereits nach einer ähnlichen Aufholjagd siegreich war. Freitag preschte Runde für Runde unaufhaltsam nach vorne und schnappte sich einen Gegner nach dem anderen. In der neunten Runde, nachdem er Dirk Geiger, Sander Kroeze und Kevin Orgis passiert hatte, lag er auf Gesamtposition 12 und Position zwei in der Standardwertung, direkt hinter dem Führenden der Standard-Klasse, Toni Erhard. Philipp Freitag fühlte sich so gut auf seiner Maschine, dass er in der folgenden drittletzten Runde das Tempo abermals forcierte, um einerseits einen Abstand zu seinen Verfolgern herauszufahren und andererseits zu versuchen, die Lücke zu Erhard zu schließen. Das gute Gefühl war aber trügerisch, denn bei einer Temperatur von nur 13 °C riss in der schnellen „Ruskenhoek“-Kurve der Grip an seinem Vorderreifen unvermittelt ab. Der Reifen zog einen langen schwarzen Strich über den Asphalt, bis es dem Buchholzer gelang, den scheinbar unvermeidlichen Sturz abzufangen und die Maschine nach einem spektakulären Ritt durchs Kiesbett wieder auf die Strecke zu bugsieren. Freitag nahm mit verschmutzten Reifen das Rennen wieder auf und überquerte die Ziellinie abermals als Siebter. Da der Tscheche Oliver König in dem Rennen stürzte, rückte der Buchholzer auf Rang drei im Endklassement auf.

Meisterschaftsendstand (Top 3) in der Standard-Klasse des ADAC Moto3 Northern Europe Cups:
1. Dirk Geiger (D) 166 Punkte (1 Sieg)
2. Simon Jespersen (DEN) 147 Punkte (2 Siege)
3. Philipp Freitag (D) 117 Punkte (2 Siege)

Die besten Piloten der Endwertung werden im Rahmen der Essen Motor Show am 26.11.2016 geehrt.
Co Team Leader Hannes Allwardt (25) resümiert: „Wir haben zwar auf der einen Seite das Saisonziel,
uns gegenüber dem Vorjahresrang zu verbessern, knapp verfehlt, doch auf der anderen Seite haben
wir ein Aufgebot an hochklassigen Konkurrenten hinter uns gelassen. Diese Leistung kann sich sehen
lassen, und mit einem Quäntchen mehr Glück wäre sogar deutlich mehr drin gewesen.“

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